Die Regulierung von Kryptowerten gehört seit Jahren zu den größten Herausforderungen des US-amerikanischen Finanzmarktes. Während sich die Kryptobranche dynamisch entwickelt hat, fehlte bislang ein einheitlicher regulatorischer Rahmen. Insbesondere war häufig unklar, ob digitale Vermögenswerte als Wertpapiere (Securities) oder als Rohstoffe (Commodities) einzustufen sind und welche Aufsichtsbehörde hierfür zuständig ist.
Mit dem Digital Asset Market Clarity Act of 2025 (H.R. 3633), kurz CLARITY Act, soll diese Rechtsunsicherheit beseitigt werden. Ziel des Gesetzes ist es, klare Zuständigkeiten zwischen der Securities and Exchange Commission (SEC) und der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zu schaffen und gleichzeitig einen einheitlichen Ordnungsrahmen für den Kryptomarkt einzuführen.
Warum war der CLARITY Act notwendig?
In den vergangenen Jahren entwickelte sich die Regulierung digitaler Vermögenswerte in den USA überwiegend durch Gerichtsentscheidungen und Einzelfallverfahren der SEC. Viele Unternehmen kritisierten, dass nicht eindeutig vorhersehbar war, wann ein Token als Wertpapier einzustufen ist und wann nicht. Die Folge waren erhebliche Rechtsunsicherheiten:
- unterschiedliche Auffassungen zwischen SEC und CFTC,
- zahlreiche Gerichtsverfahren gegen Kryptounternehmen,
- hohe Compliance-Kosten,
- Abwanderung innovativer Unternehmen ins Ausland,
- Unsicherheit für Investoren.
Der CLARITY Act soll diese Unsicherheiten durch gesetzliche Definitionen und klare Zuständigkeitsregelungen beseitigen.
Die zentrale Idee des Gesetzes
Kern des Gesetzes ist die Unterscheidung zwischen zwei Arten digitaler Vermögenswerte:
- Investment Contract Assets, die im Zusammenhang mit einer Kapitalanlage ausgegeben werden und weiterhin in den Zuständigkeitsbereich der SEC fallen.
- Digital Commodities, deren Blockchain ausreichend dezentralisiert ist und die künftig überwiegend durch die CFTC reguliert werden.
Damit orientiert sich der Gesetzgeber stärker an den tatsächlichen wirtschaftlichen Eigenschaften eines Tokens als ausschließlich an dessen ursprünglicher Ausgabe.
Wann wird ein Token zur Digital Commodity?
Eine der wichtigsten Neuerungen des CLARITY Act ist die Einführung des Begriffs der "mature blockchain". Eine Blockchain gilt als ausreichend entwickelt beziehungsweise dezentralisiert, wenn sie nicht mehr von einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe kontrolliert wird. Erst dann können die darauf ausgegebenen Token als Digital Commodities behandelt werden.
Unternehmen können gegenüber der SEC erklären, dass ihre Blockchain diesen Reifegrad erreicht hat. Die Behörde prüft anschließend anhand gesetzlich definierter Kriterien, ob diese Voraussetzungen tatsächlich vorliegen.
Neue Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC
Der CLARITY Act ordnet die Zuständigkeiten der beiden wichtigsten US-Aufsichtsbehörden neu.
Zuständigkeit der SEC
Die SEC bleibt insbesondere verantwortlich für:
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Read More →- Kapitalaufnahmen mittels Token,
- Investment Contracts,
- Offenlegungspflichten der Emittenten,
- Anlegerschutz bei der Erstplatzierung.
Zuständigkeit der CFTC
Die CFTC übernimmt künftig die Aufsicht über:
- Digital Commodities,
- Spotmärkte,
- Kryptobörsen,
- Broker,
- Dealer,
- Handelsplattformen.
Hierdurch entsteht erstmals ein eigenständiges Marktaufsichtssystem für digitale Vermögenswerte außerhalb des klassischen Wertpapierrechts.
Registrierungspflichten für Marktteilnehmer
Der Gesetzesentwurf sieht umfangreiche Registrierungs- und Organisationspflichten für Marktteilnehmer vor. Insbesondere müssen sich künftig registrieren:
- Kryptobörsen,
- Broker,
- Händler,
- Verwahrstellen,
- weitere Intermediäre für Digital Commodities.
Damit ähnelt die Regulierung zunehmend den bereits etablierten Kapitalmarktregeln.
Mehr Transparenz für Investoren
Der CLARITY Act verfolgt zugleich das Ziel, den Anlegerschutz zu verbessern. Emittenten müssen unter anderem umfangreiche Informationen veröffentlichen, beispielsweise über:
- das Blockchain-Projekt,
- die Tokenökonomie,
- Governance-Strukturen,
- technische Entwicklungen,
- Risiken,
- wesentliche Änderungen während der Entwicklungsphase.
Diese Transparenzpflichten sollen Investoren eine fundiertere Anlageentscheidung ermöglichen.
Förderung von Innovation
Ein weiteres Ziel des Gesetzes besteht darin, Innovationen im Blockchain-Sektor nicht unnötig zu behindern. Entwickler von Open-Source-Software, Validatoren, Miner und Node-Betreiber sollen unter bestimmten Voraussetzungen ausdrücklich nicht als Finanzintermediäre oder Geldübermittler gelten. Dadurch soll verhindert werden, dass rein technische Infrastrukturbetreiber denselben regulatorischen Anforderungen unterliegen wie Handelsplattformen oder Verwahrstellen.
Bedeutung für die Kryptobranche
Sollte der CLARITY Act endgültig Gesetz werden, dürfte er den amerikanischen Kryptomarkt nachhaltig verändern. Unternehmen erhalten erstmals:
- klare gesetzliche Definitionen,
- planbare Zulassungsverfahren,
- eindeutige Zuständigkeiten,
- mehr Rechtssicherheit,
- einen geregelten Übergang von Security Tokens zu Digital Commodities.
Dadurch könnte sich die Wettbewerbsfähigkeit des US-amerikanischen Kryptomarktes deutlich verbessern.
Die Gesetzesquelle
Die maßgebliche Quelle für den CLARITY Act ist der Gesetzesentwurf H.R. 3633 - Digital Asset Market Clarity Act of 2025, veröffentlicht auf der offiziellen Website des US-Kongresses (Congress.gov). Der vollständige Gesetzestext umfasst mehrere Titel und regelt unter anderem:
- Begriffsbestimmungen,
- Zuständigkeiten von SEC und CFTC,
- Registrierungspflichten,
- Marktaufsicht,
- Verwahrung digitaler Vermögenswerte,
- Verbraucherschutz,
- Übergangsregelungen.
Ergänzend veröffentlichten die zuständigen Ausschüsse des US-Repräsentantenhauses Erläuterungen, Hintergrundpapiere und Abschnitt-für-Abschnitt-Kommentierungen, welche die Zielsetzung des Gesetzes näher erläutern.
Vergleich mit der europäischen MiCAR-Verordnung
Während der CLARITY Act die bestehenden Zuständigkeiten der US-amerikanischen Finanzaufsichtsbehörden neu ordnet, verfolgt die europäische Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) einen anderen Ansatz.
Die MiCAR schafft erstmals einen unmittelbar in allen Mitgliedstaaten geltenden Rechtsrahmen für Kryptowerte. Sie enthält detaillierte Vorschriften zu Zulassung, Organisation und Beaufsichtigung von Emittenten sowie von Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen (Crypto-Asset Service Providers - CASPs). Darüber hinaus regelt sie ausführlich Stablecoins, Asset-Referenced Tokens und E-Geld-Token.

Der CLARITY Act konzentriert sich hingegen stärker auf die Abgrenzung zwischen Wertpapieren und digitalen Rohstoffen sowie auf die Kompetenzverteilung zwischen SEC und CFTC. Im Mittelpunkt stehen Marktstruktur, Zuständigkeiten und regulatorische Klarheit.
Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass MiCAR von Beginn an ein einheitliches europäisches Aufsichtssystem schafft, während der CLARITY Act das bestehende US-amerikanische Aufsichtssystem weiterentwickelt und die Zusammenarbeit der bereits bestehenden Behörden neu ordnet.
Insgesamt verfolgen beide Regelwerke jedoch ein gemeinsames Ziel: Sie sollen Rechtsunsicherheit abbauen, den Anlegerschutz stärken und gleichzeitig Innovationen im Bereich der Blockchain-Technologie ermöglichen. Während Europa mit MiCAR bereits einen umfassenden und unmittelbar geltenden Rechtsrahmen geschaffen hat, stellt der CLARITY Act den Versuch dar, in den USA erstmals eine vergleichbare regulatorische Klarheit für den Kryptomarkt zu etablieren.



